Bloß nicht sauer werden

Berlin, 18.03.2021


Ketoazidosen vorbeugen: Kommt die kontinuierliche Ketonmessung?

Die diabetische Ketoazidose ist eine gefährliche Akutkomplikation für Menschen mit Diabetes. Eine gesteigerte Awareness für die Frühsymptomatik und die Überprüfung der Ketonwerte könnten zu ihrer Vermeidung beitragen. Gelänge es, Systeme zur kontinuierlichen Messung der Ketonkonzentrationen (Continuous Ketone Monitoring, CKM) zu entwickeln, könnte dies das Management eines Diabetes deutlich erleichtern. Erste Ansätze dazu gibt es bereits.


Ketone sind Zwischenprodukte des Fettstoffwechsels, die sich auch bei normaler Stoffwechsellage in geringen Mengen im Blut finden. Greift der Körper aber vorwiegend auf Fette als Energiequelle zurück, etwa weil Kohlenhydrate aufgrund eines ausgeprägten Insulinmangels bei Diabetes nicht zur Verfügung stehen, werden vermehrt Ketone gebildet. Da sie nicht komplett über den Urin als Aceton ausgeschieden werden, reichern sie sich nach und nach im Blut an. Unerkannt kann das in eine lebensbedrohliche diabetische Ketoazidose (DKA) münden.


DKA weiterhin häufig


Trotz der Fortschritte, die in den letzten Jahren im Diabetesmanagement erreicht wurden, hat sich die Häufigkeit von DKA nicht verringert1. In Deutschland wird ihre Prävalenz auf 8 bis 9 % geschätzt.2 Die Gründe dafür sind auch zu suchen im mangelnden Wissen und in einer unzureichenden Awareness seitens der Patienten*innen für die frühen Symptome einer sich anbahnenden DKA wie etwa erhöhten Harndrang, Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Der gezielten Aufklärung kommt in der Praxis daher eine besondere Bedeutung zu. Können Patienten*innen eine sich entwickelnde Ketoazidose erkennen und entsprechend handeln, lässt sich ein schwerer Verlauf der Komplikation oft verhindern. Auch eine regelmäßige Messung der Ketonwerte könnte dazu beitragen, eine Stoffwechselentgleisung zu vermeiden. Wird ihr Anstieg frühzeitig erkannt, könnte das eine rechtzeitige Intervention erleichtern.1


Ist CGM plus CKM die Zukunft?


Würde es gelingen, Systeme zur kontinuierlichen Messung der Ketonwerte (CKM) analog der CGM-Systeme zu entwickeln, wäre das ein bedeutender Schritt zur Vermeidung von Ketoazidosen. Denn die automatisierte Erfassung der Werte und die frühzeitige Warnung könnte für die Patienten*innen eine wertvolle Unterstützung darstellen.

Derzeit befinden sich verschiedene Ansätze in der Pipeline.1, 3 Erste präklinische Tests scheinen nicht mehr lange auf sich warten zu lassen. Ein amerikanisches Start-up-Unternehmen kündigte kürzlich an, gemeinsam mit der Universität von Melbourne bis 2022 mit ersten Studien seines Systems beginnen zu wollen.4 Das von ihnen entwickelte Tool integriert die kontinuierliche Ketonüberwachung in die Glukoseerfassung und entwickelt die CGM-Technologie somit quasi zur CGKM-Technologie weiter, die die gemeinsame Überwachung der Glukose- und der Ketonwerte ermöglicht.5

Beide Analyten werden über einen Zeitraum von 10 bis 14 Tagen über eine einzige Sonde gemessen.4 Dabei arbeitet der Ketonsensor nach dem Ampelprinzip: Wird ein definierter Grenzwert überschritten, wechselt ein grünes Signal, begleitet von einem Alarm, zunächst auf Gelb, dann auf Orange. Zusätzlich klären Pfeile über den Trend des Verlaufs auf. Reichern sich die Ketone weiter an, sendet das System erneut einen Alarm, das Signal wird rot. Zusätzlich werden Nutzer*innen mit einer Meldung aufgefordert, sich unverzüglich an das betreuende Diabetesteam zu wenden.1,4


Weniger Kosten, mehr Sicherheit und Lebensqualität


Die Einführung von CKM-Systemen im Markt könnte dazu beitragen, die Patientensicherheit durch ein frühzeitiges Erkennen erhöhter Ketonwerte deutlich zu verbessern. Auf diese Weise ließen sich nicht nur enorme Kosten durch die Vermeidung von Krankenhausaufenthalten einsparen, sondern auch für die Patienten*innen und ihre Angehörigen ein deutliches Plus an Lebensqualität erreichen.

Tipps für Ihre Patienten*innen

Erste Anzeichen erkennen und adäquat reagieren – Checkliste zur Vermeidung von Ketoazidosen
Das digitale Therapiebegleitprogramm TheraKey® bietet innerhalb der Indikation Typ-1-Diabetes bei den Patiententools (Erkrankung & Therapie) ausführliche Informationen zur Vermeidung einer Blutzuckerentgleisung. Dort finden Menschen mit Diabetes Checklisten zu den Themen „So erkennen Sie eine Blutzuckerentgleisung“ und „Was tun bei Überzuckerung?“. Nähere Informationen unter www.therakey.de.

Informationen für Professionals

Sie möchten mehr über das digitale Therapiebegleitprogramm TheraKey® erfahren? Einen ersten Eindruck erhalten Sie auf der Webseite unter www.therakey.de. Sie möchten Zugang zum TheraKey®-Portal? Dann schreiben Sie uns über das Kontaktformular.


1 Lee MH, Paldus B, Krishnamurthy B, McAuley SA, Shah R, Jenkins AJ, O'Neal DN. (2019) The Clinical Case for the Integration of a Ketone Sensor as Part of a Closed Loop Insulin Pump System. J Diabetes Sci Technol 13(5): 967-973
2 Haak T. Diabetische Notfälle - Ketoazidose und Koma. www.doctors.today (Stand: 18.2.2021)
3 Teymourian H, Moonla C, Tehrani F, Vargas E, Aghavali R, Barfidokht A, Tangkuaram T, Mercier PP, Dassau E, Wang J. (2020) Microneedle-Based Detection of Ketone Bodies along with Glucose and Lactate: Toward Real-Time Continuous Interstitial Fluid Monitoring of Diabetic Ketosis and Ketoacidosis. Anal 4Chem 92(2):2291-2300
4 diatec-fortbildung.de (2020) CKM – lassen sich auch die Ketone kontinuierlich messen? 20.11.2020. www.diatec-fortbildung.de (Stand: 16.2.2021)
5 PercuSence (2020) PercuSense Announces Project with HCT to Develop a Glucose and Ketone Monitor. 02.11.2020. www.percusense.com (Stand: 16.2.2021)


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