Diabetes und Covid-19

Bad Mergentheim, 17.06.2020


Diabetes und Covid-19

Viele Menschen mit Diabetes sind besorgt: Haben sie ein erhöhtes Risiko, an Covid-19 zu erkranken oder – im Fall des Falles – einen schwereren Verlauf durchmachen zu müssen? Fakt ist: Unter bestimmten Umständen sind Menschen mit einer Diabeteserkrankung für beide Szenarien tatsächlich stärker gefährdet.

Zahlen aus den beiden Corona-Hotspots Padua (Italien) und Wuhan (China) belegen: Die meisten der dort an Covid-19 verstorbenen Menschen hatten metabolische Vorerkrankungen. Im chinesischen Wuhan beispielsweise hatten 58 % der Verstorbenen Bluthochdruck und 36 % Diabetes.


Nicht der Diabetes allein ist schuld


Doch das erhöhte Risiko einer Infektion und gegebenenfalls eines schwereren Krankheitsverlaufs liegt nicht am Diabetes an sich, sondern an den Begleitumständen, wie Professor Dr. Bernhard Kulzer, Bad Mergentheim, in einem Video des Bundesgesundheitsministeriums erklärt. Daher ist auch das Risiko nicht für alle Menschen mit Diabetes gleich hoch: Kein erhöhtes Risiko etwa haben Menschen, deren Blutzucker gut eingestellt ist und die keine diabetesbedingten Begleit- oder Folgeerkrankungen haben. Erst durch Bluthochdruck, eine diabetesbedingte Herz- oder Nierenerkrankungen oder auch eine Begleiterkrankung wie Depressionen steigt das Risiko an, denn all diese Faktoren schwächen das Immunsystem. Ebenfalls negative Auswirkungen auf das Immunsystem können erhöhte Glukosewerte haben, die im Falle einer Covid-19-Erkrankung auch den Verlauf erschweren.


Empfehlungen der DDG


Aufgrund der Häufigkeit von Diabetes mellitus als Komorbidität bei Covid-19 hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) einige Handlungsempfehlungen in einem Positionspapier „Praktische Empfehlungen zum Diabetes-Management bei Patientinnen und Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung“ zusammengestellt. Darin finden Sie unter anderem, welche Zielwerte/Bereiche die DDG vorschlägt, welche Vorsichtsmaßnahmen bei den einzelnen OAD-Gruppen zu beachten sind sowie Informationen zum Blutglukosemanagement auf Intensiv- oder Überwachungsstationen etwa mittels intravenöser Insulintherapie.

Die Empfehlungen beziehen sich auf Erwachsene. Für Kinder und Jugendliche gelten die Behandlungsstrategien und Dosisangaben, die in der DDG-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter“ festgelegt sind.


Hinweise für Ihre Patienten


  • Menschen mit Diabetes sollten die allgemeinen Schutzmaßnahmen und ganz besonders eine gute Blutzuckereinstellung beachten.
  • Darüber hinaus kann es nötig sein, die Medikamenteneinnahme oder die laufende Behandlung umzustellen beziehungsweise anzupassen. So sind zurzeit beispielsweise viele Menschen im Homeoffice und bewegen sich weniger, dafür essen sie gegebenenfalls mehr oder häufiger, so dass der Insulinbedarf steigt.
  • Wichtig ist auch, erste Anzeichen einer möglichen Corona-Infektion richtig zu deuten: Dazu zählen Husten, oft erhöhte Temperatur, Probleme beim Atmen, Müdigkeit oder allgemeine Abgeschlagenheit.
  • Im Verdachtsfall sollten Ihre Patienten Sie telefonisch kontaktieren. Dann können Sie entscheiden, ob ein Test sinnvoll ist oder Ihr Patient in Quarantäne gehen sollte.
  • Sollte sich Ihr Patient einer stationären Behandlung unterziehen müssen, ist es wichtig, die behandelnden Ärzte über die Diabeteserkrankung zu informieren.

Video-Tipps für Ihre Patienten


Eine gut verständliche Erklärung der Zusammenhänge von Diabetes und Covid-19 gibt Professor Dr. Bernhard Kulzer in einem Video des Bundesgesundheitsministeriums „Covid-19-Risikogruppen – Fragen und Antworten mit einem Fachpsychologen Diabetes“.

Wertvolle Tipps hat auch die Deutsche Diabetes-Hilfe auf ihrer Internetseite gelistet. Darunter detaillierte Informationen zur „Therapieanpassung in einer Extremsituation“ als Print-Version zum Download sowie verschiedene Videos zum Thema „Diabetes in Zeiten des Coronavirus“.


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