Die ePA kommt

Berlin, 25.11.2020


Die ePA kommt – das ist der Status quo

„Alle wichtigen Gesundheitsdaten in elektronischer Form an einem Ort gesammelt – das soll die elektronische Patientenakte künftig leisten und damit die ärztliche Dokumentation in Aktenordnern ablösen. Ab Januar 2021 müssen Krankenkassen ihren Versicherten eine elektronische Patientenakte (ePA) anbieten. Dabei erfolgt die Einführung stufenweise, das heißt, nicht alle geplanten Funktionen sind von Anfang an nutzbar.

Die ePA kann durchstarten – rund 16 Jahre, nachdem dieses Projekt aufs Gleis gesetzt wurde. Grundlage dafür ist das Patientendatenschutzgesetz (PDSG), das Ende Oktober 2020 in Kraft getreten ist.


Im PDSG sind folgende Regelungen für die ePA festgelegt


Die Krankenkassen sind gesetzlich verpflichtet, ihren Versicherten eine ePA bereitzustellen, und nur sie dürfen sie für ihre Versicherten anlegen. Das heißt, die Kassen werden, allein oder mit einem Partner, eine Serverstruktur aufbauen, auf der die Daten liegen und ihren Versicherten dazu einen gesicherten Zugang anbieten. Die Krankenkassen sind die Verantwortliche Stelle für die Verarbeitung der in der ePA zur Verfügung gestellten Daten. Im Rahmen der Auftragsdatenverarbeitung ist den Krankenkassen auch gestattet, andere Anbieter von elektronischen Patientenakten zu beauftragen. Die Krankenkassen haben nicht per se Einblick in die Dokumente.

Für die Versicherten ist die Nutzung der Akte freiwillig. Die elektronische Patientenakte „gehört“ den Patienten*innen, nicht der Krankenkasse oder den behandelnden Ärzten*innen.


Die Patienten*innen entscheiden, ob sie die ePa überhaupt nutzen wollen, und wenn ja, was darin gespeichert sein soll. Auch welcher*welche Arzt*Ärztin Einblick in die Akte erhält, entscheiden sie selbst. Im Moment funktioniert dies noch nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip, d. h. entweder kein*e Arzt*Ärztin kann Einblick nehmen, oder alle Ärzte*innen sehen alles. Eine detaillierte Steuerung, welche*r Arzt*Ärztin oder Therapeut*in auf welche Daten zugreifen können soll, ist erst in der zweiten Stufe möglich, voraussichtlich ab Januar 2022.

Ärzte*innen müssen die Infrastruktur für die ePA bereitstellen, d. h. sie müssen spätestens ab Jahresanfang über einen Anschluss an die Telematikinfrastruktur (TI) verfügen. Andernfalls haben sie mit Kürzungen von bis zu 2,5 % ihres Honorars zu rechnen. Der Anschlusspflicht an die TI besteht schon seit Mitte 2019. Für Praxen, die bisher keinen Anschluss an die TI haben, ist die Honorarkürzung auf diesen Prozentsatz angehoben worden.


Um die TI und ihre Anwendungen nutzen zu können, sind verschiedene Komponenten und Dienste wie etwa Konnektor, Kartenterminal oder ein VPN-Zugangsdienst nötig. Alle Komponenten müssen von der gematik für den Einsatz in der TI zugelassen sein, dazu veröffentlicht die gematik eine Liste der zugelassenen TI-Komponenten.

Damit Patienten*innen ihre Daten einsehen und auch selbst verwalten können, benötigen sie eine ePA-App fürs Smartphone oder Tablet, die von der jeweiligen Krankenkasse entwickelt und zur Verfügung gestellt wird. Spezifikation und Anforderungen an Sicherheit der Anwendung werden von der gematik festgelegt und geprüft. Die ePA-Apps sollen 2021 eingeführt werden.


Das Befüllen der ePA kann auf zwei Wegen geschehen: Zum einen können Patienten*innen ihre ePA über die ePA-App selbst befüllen. Dazu können sich Dokumente beispielsweise per E-Mail schicken lassen, die sie dann hochladen. Oder sie bitten ihren*ihre Arzt*Ärztin, dies für sie zu tun. Dafür benötigen die Behandelnden das Einverständnis der Patienten*innen. Den Zugriff vergeben die Patienten*innen entweder über ihre ePA-App oder direkt in der Praxis: Als „Schlüssel“ dient die elektronische Gesundheitskarte in Kombination mit einem persönlichen PIN.

Für die Verwaltung und das Befüllen der ePA erhalten Ärzte*Ärztinnen im Jahr 2021 einmalig pro Versicherten 10 Euro.


In der Akte werden zwei verschiedene Datengruppen abgebildet: zum einen Gesundheitsdaten, die durch den*die Versicherten zur Verfügung gestellt werden wie Befunde, (abfotografierte) Arztberichte und Röntgenbilder. Zum anderen sogenannte medizinische Informationen über die Versicherten, die von medizinischen Einrichtungen in die ePA eingestellt werden wie beispielsweise elektronische Notfalldaten oder der elektronische Medikationsplan.

Bei einem Wechsel der Krankenkasse können Versicherte ihre Daten in die ePA des neuen Versicherers übertragen lassen. Auch können sie jederzeit eine komplette Löschung der gesamten ePA bei ihrer Krankenkasse veranlassen.


Mit dem Patientendatenschutzgesetz wird auch die Entwicklung einer App für das E-Rezept durch die gematik angestoßen. Das E-Rezept wird erstmalig ab dem 1. Juli 2021 für gesetzlich Versicherte verfügbar sein.

Ab 2022 sollen der Impfausweis, der Mutterpass, das gelbe U-Heft für Kinder und das Zahnarzt-Bonus-Heft in der Akte gespeichert werden sowie „Krankenkassen-Informationen“ wie Abrechnungs- und Leistungsdaten. Haben Versicherte ihrer Krankenkasse den Zugriff auf die ePA erlaubt, kann und darf die Krankenkasse ihren Kunden*innen beispielsweise spezifische Leistungsangebote machen.


Ab 2023 kommen auch Daten zur pflegerischen Versorgung und die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) in die ePA.

Ebenfalls ab 2023 können Versicherte ihre in der Akte abgelegten Daten freiwillig zu Forschungszwecken spenden.


Die Einführung der ePA gilt als Meilenstein in der Digitalisierung des Gesundheitswesens und der Vernetzung der Versorgungssektoren, mit der die Versorgung effizienter, besser und sicherer werden soll: geringerer Dokumentationsaufwand, keine unnötigen Doppeluntersuchungen mehr, Zeitersparnis durch eine schnellere und lückenlose Kommunikation unter den Leistungserbringern im Gesundheitswesen, mögliche Kontraindikationen bei Arzneien können schneller aufgespürt werden, da mit Zustimmung des*der Patienten*Patientin alle Beteiligten jederzeit auf die Informationen zugreifen können.


Unterschied zwischen elektronischer Gesundheits- und Patientenakte


Oft werden die Begriffe elektronische Patientenakte (ePA) und elektronische Gesundheitsakte (eGA) synonym verwendet, dabei verbergen sich dahinter zwei völlig unterschiedliche Konzepte:

ePA bezeichnet die elektronische Patientenakte, die per Gesetz im Januar 2021 eingeführt wird. Sie ist nach einer standardisierten Vorlage aufgebaut, unabhängig von der jeweiligen Krankenkasse. Sie soll DAS zentrale Element der vernetzten Gesundheitsversorgung und der Telematikinfrastruktur werden, d. h. die einzig gesetzlich vorgegebene Form der Dokumentation von Patienten*innendaten mit dem Ziel einer bundesweit einheitlichen und interoperablen Lösung, die die Insellösungen der bestehenden Gesundheitsakten ersetzt.

Die eGA dagegen wird von den Krankenkassen als Zusatzleistung angeboten und ist sozusagen eine erweiterte ePA. In der eGA können auch medizinische Daten etwa aus Fitnesstrackern eingetragen werden. Auch hierbei sind die Patienten*innen alleinige Eigentümer ihrer Daten. Das heißt, sie entscheiden, welche Informationen aus der eGA sie bei einem Praxisbesuch an den*die Arzt*Ärztin weitergibt. Solche eGA-Angebote sind bereits von einigen Krankenkassen auf dem Markt. Dabei handelt es sich meist um Apps der Kassen, die auf dem Smartphone installiert werden, so etwa „TK-Safe“ der Techniker Krankenkasse oder die App „Vivy“, entwickelt von Vivy zusammen mit der DAK-Gesundheit, Betriebs-, Ersatz- und Innungskrankenkassen sowie privaten Krankenversicherungen. Unklar ist, ob die eGA nach Einführung der ePA erhalten bleiben oder ob die darauf gespeicherten Daten in die ePA zu überführen sind.


Weiterführende Informationen


Detaillierte Informationen über die verschiedenen E-Akten finden Sie im Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes 2020 (D.U.T-Report) im Artikel „Elektronische Patientenakte“ von Prof. Dr. Bernhard Kulzer, Bad Mergentheim. Ebenfalls darin: eine Chronik der Entwicklung der ePA, ein Ländervergleich mit Dänemark sowie rechtliche Aspekte, die es zu beachten gilt. Den D.U.T-Report 2020 zum Download finden Sie auf der Seite des Zukunftsboards Digitalisierung.

Telematikinfrastruktur-Ratgeber der KBV
Informationen zum Anschluss der Praxis, zur technischen Ausstattung und zur Finanzierung (aktualisierte Ausgabe Februar 2020)

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