Einfache Handhabung zählt

Berlin, 14.10.2020


Einfache Handhabung zählt

Auch ältere Menschen mit Diabetes können von digitalen Tools in der Therapie profitieren, denn sie können ihnen helfen, ihre Selbstständigkeit zu bewahren. Bislang aber sind die wenigsten Tools passgenau für ältere Menschen konzipiert und berücksichtigen zu wenig funktionelle oder kognitive Beeinträchtigungen älterer Menschen. Damit digitale Technologien von ihnen genutzt werden können, ist eine einfache und sichere Handhabung essenziell.


Ältere Menschen mit Diabetes haben häufig zusätzlich funktionelle und/oder kognitive Beeinträchtigungen, die das selbstständige Durchführen der Diabetestherapie behindern können. Dazu gehören vor allem geriatrische Symptome wie Merkfähigkeitsstörungen oder eine verminderte Sehkraft. Das kann zu Injektionsfehlern bei Insulintherapie oder Einnahmefehlern von Medikamenten führen.

CGM-Systeme, Insulinpumpen oder Diabetes-Apps versprechen eine deutliche Therapieerleichterung, doch viele der neuen Technologien können ältere Patienten nur schwer nutzen, weil die Konzeption an ihren Bedürfnissen vorbeigeht.

Ältere Menschen mit Diabetes haben häufig zusätzlich funktionelle und/oder kognitive Beeinträchtigungen, die das selbstständige Durchführen der Diabetestherapie behindern können. Dazu gehören vor allem geriatrische Symptome wie Merkfähigkeitsstörungen oder eine verminderte Sehkraft. Das kann zu Injektionsfehlern bei Insulintherapie oder Einnahmefehlern von Medikamenten führen.

CGM-Systeme, Insulinpumpen oder Diabetes-Apps versprechen eine deutliche Therapieerleichterung, doch viele der neuen Technologien können ältere Patienten nur schwer nutzen, weil die Konzeption an ihren Bedürfnissen vorbeigeht.


Mechanische und digitale Hilfsmittel – was ist geeignet?


Einen Überblick inklusive einer Bewertung verschiedener Hilfsmittel findet sich in der S2k-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Alter“ der DDG.
Als sehr geeignet für ältere Menschen mit Diabetes bewertet die DDG beispielsweise mechanische Hilfsmittel wie

  • Lupen und andere Sehhilfen,
  • sprechende Blutglukosemessgeräte,
  • Blutglukosemessgeräte ohne Kalibrierung mit großem Display und einfacher Bedienung, oder
  • Insulin-Pens mit einfacher Auslösung, für die auch ein geringer Daumendruck ausreicht.

Als nur teilweise geeignet bewertet die DDG dagegen elektronische Hilfsmittel wie

  • PC-Programme zur Analyse erhobener Messwerte und Daten,
  • Apps zur Verbesserung der Therapietreue,
  • Apps zum Datenmanagement und zur Blutglukosesteuerung oder
  • technische Hilfen zur Erinnerung an Medikamenteneinnahme oder Insulin-Injektion.

Insulinpumpentherapie im Alter – das ist nötig


Eine Insulinpumpentherapie ist grundsätzlich bis ins hohe Lebensalter möglich, denn auch bei älteren Menschen kann sich dadurch die Glukosekontrolle verbessern.
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung sind jedoch

  • eine gute Beherrschung der Bedienschritte seitens der Nutzer,
  • eine gute Feinmotorik, aber auch
  • intakte visuelle, auditive und kognitive Fähigkeiten..

Pumpen, die auch von älteren Menschen leicht, sicher und effektiv zu bedienen sein sollen, benötigen daher eine altersgerechte, bedienerfreundliche Gestaltung etwa mit großen Displays, leuchtenden Ziffern oder Sprachsteuerungsfunktionen.


Anforderungen an altersgerechte Insulinpumpen:

  • Großes, gut ablesbares Display
  • Gut hörbare Alarme und Fehlermeldungen
  • Vorgefertigte Insulinampullen
  • Leichter Wechsel von Insulinampullen und Kathetersystem
  • Intuitive Menüführung
  • Deutlich zu fühlende Bedienungsknöpfe

Vibrationsalarm – Schutz vor Hypoglykämien


Ältere Menschen mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Hypoglykämien, die die kognitive Leistungsfähigkeit und Motorik einschränken und das Risiko für Stürze und Frakturen erhöhen. Ein kontinuierliches Glukosemonitoring mit Alarmfunktion kann somit eine sinnvolle technische Ergänzung des Diabetes-Selbstmanagements sein. Neue Generationen von CGM-Systemen bieten Alarme, welche sich bei Schwerhörigkeit auch als Vibrationsalarm einstellen lassen.
Über Partner-Apps können sich auch Angehörige, Pflegekräfte oder Behandelnde die Glukosewerte auf dem Smartphone anzeigen lassen, sodass sie im Notfall eingreifen können.


Apps – nur wenige für ältere Menschen geeignet


Auch bei Apps ist für einen nutzenbringenden Einsatz maßgeblich, ob sie selbsterklärend, einfach, intuitiv und ohne viel Aufwand zu bedienen sind und funktionieren. Ein positives Beispiel stellt die mit dem DiaDigital-Siegel ausgezeichnete App „MyTherapy“ dar, die speziell für die Therapiebegleitung älterer Menschen mit chronischen Erkrankungen und deren Angehörige entwickelt wurde. Sie bietet eine Erinnerungsfunktion für die Einnahme von Medikamenten und hilft bei der Planung von Aktivitäten und der Protokollierung von Symptomen und Messwerten.


Tipps für Sie und Ihre Patienten


Auch wenn bislang nur wenige Technologien barrierefrei gestaltet sind – mit einigen Maßnahmen können Ihre älteren Patienten neue Technologien besser nutzen:

  • Häufige unerklärliche Blutzuckerschwankungen können ein erster Hinweis auf Probleme in der Handhabung mit der Technik sein. Ein frühzeitiges Gespräch hilft bei der Therapieanpassung. So erhalten Patienten auch die Chance zur aktiven Mitgestaltung.
  • Es kann sinnvoll sein, ein älteres, dafür gut bekanntes Insulinpumpenmodell mit weniger Funktionen möglichst lange beizubehalten.
  • Überprüfen Sie regelmäßig die korrekte Handhabung der Geräte und das Selbstmanagement: Wichtig sind insbesondere die Sehfähigkeit, Feinmotorik und die Fähigkeit, sinnvolle Therapieentscheidungen abzuleiten und umzusetzen.
  • Da Passwörter häufig vergessen werden, können alternativ zur Identifizierung individuelle physiologische Merkmale wie Stimme, Gesichtserkennung oder Fingerkuppe für den Zugang zu digitalen Angeboten genutzt werden.
  • Senioren-Smartphones sind oft einfacher in der Bedienung, doch auch jedes andere Modell lässt sich an die Bedürfnisse Älterer anpassen, etwa bei Schriftgröße, Helligkeit, Kontrast oder Lautstärke bei Alarmen.
  • Viele Modelle verfügen über einen speziellen Einfach-Modus: Die Startseite ist übersichtlich mit großen Symbolen gestaltet, der Bildschirminhalt ist vereinfacht dargestellt und es erscheinen nur Funktionen, die tatsächlich wichtig sind.
  • Hören statt lesen: Vorlesefunktionen in Smartphones können helfen, mit der Bedienung leichter zurechtzukommen. Auch Nachrichten oder Inhalte von Webseiten lassen sich vorlesen, Tonlage und Vorlesegeschwindigkeit einstellen.
  • Bei einer notwendigen Menüsteuerung sollten häufig genutzte Funktionen auf der Menüoberfläche zu finden sein, sodass keine Suche in verschiedenen Sub-Menüs nötig ist. Die dabei verwendeten Begriffe sollten die jeweilige Funktion möglichst verständlich benennen oder in einem Textfeld inhaltlich erläutern. Auch hier ist eine Sprachsteuerung nützlich.
  • Wer sein Smartphone nicht selbst einrichten kann, kann es sich bei einigen Firmen fertig eingerichtet zuschicken lassen. Auch Fernwartung per Software ist möglich.
  • Helfen Angehörige oder Freunde beim Einrichten, sollten sämtliche relevanten Benutzerdaten sowie Passwörter auch bei der helfenden Person hinterlegt sein.
  • Über Partner-Apps bleiben auch Angehörige, Pflegekräfte oder Behandler über die auf dem Laufenden.
  • Telemedizinische Anwendungen wie Videosprechstunden ermöglichen Arztbesuche auch ohne direkten Kontakt.

Weiterführende Informationen


„Digitalisierung für ältere Menschen mit Diabetes“ von PD Dr. Anke Bahrmann, Sabine Hochstadt und Michael Uhlig, D.U.T-Report 2020, Seite 206 ff.

Deutsche Diabetes Gesellschaft: S2k-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Alter. 2. Auflage 2018. AWMF-Registernummer: 057-017

Digitale Projekte für Ältere: Jetzt bewerben beim SilverStar-Förderpreis 2021

Seit zehn Jahren zeichnet die BERLIN-CHEMIE AG mit dem SilverStar-Förderpreis Projekte aus, die die Lebensqualität älterer Menschen mit Diabetes verbessern. Im kommenden Jahr werden unter dem Motto „Älter werden mit Diabetes im digitalen Wandel“ ausschließlich Projekte bewertet, die mithilfe der Digitalisierung die Versorgung von älteren Menschen mit Diabetes voranbringen.
Der SilverStar ist mit 25.000 Euro dotiert, Bewerbungen können postalisch oder online eingereicht werden. Einsendeschluss ist der 31. Dezember 2020.
Alle weiteren Informationen finden Sie unter www.silverstar-preis.de.


Quellen
PD Dr. Anke Bahrmann, Sabine Hochstadt und Michael Uhlig: „Digitalisierung für ältere Menschen mit Diabetes“, in: D.U.T-Report 2020, Hrsg. Bernhard Kulzer und Lutz Heinemann
Deutsche Diabetes Gesellschaft: S2k-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Alter. 2. Auflage 2018. AWMF-Registernummer: 057-017
https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/user_upload/05_Behandlung/01_Leitlinien/Evidenzbasierte_Leitlinien/2018/LL_Alter_Gesamtdokument_20180713.pdf
Michael Uhlig: „Telemedizin und technologische Hilfsmittel bei Diabetes im Alter“, in: Der Diabetologe 2/2020
Jennifer Grammes, Thomas Kubiak: „Technologie: Geräte an Bedürfnisse anpassen“, in: Diabetologie-online vom 13.07.2020
https://www.diabetologie-online.de/a/schwerpunkt-geriatrie-technologie-geraete-an-beduerfnisse-anpassen-2209950 (letzter Aufruf 24.8.2020)
Marion Schaefer, Rudolf Bals, Thomas Brauner, Christian Luley, Otto Melcher: „Älter werden in einem digitalen Gesundheitssystem“, in: Monitor Pflege 2/2019


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