Evaluation der MyTherapy-App

Berlin, 27.06.2019

Das Smartphone als alltäglicher Begleiter hat enorme Veränderungen in unserem Alltag angestoßen. Apps erfüllen zahlreichen Aufgaben, für die bislang viele unterschiedliche Geräte erforderlich waren: Uhr, Kalender, Radio, Kamera, Spiele usw. Verständlicherweise möchten auch chronisch Kranke beim Thema Gesundheit von Apps profitieren. Mit Gesundheits-Apps können Diabetespatienten zum Beispiel krankheitsassoziierte Parameter – wie Zuckerwerte, Insulindosen, Ernährung – einfach dokumentieren und diese mittels App mit geringem Aufwand an den behandelnden Arzt digital übermitteln. Die MyTherapy App, die in das TheraKey®-Konzept eingebunden ist, hat genau diese Funktionen: Sie unterstützt u. a. Patienten bei der Medikamenteneinnahme, dokumentiert Messergebnisse und erstellt einen umfassenden Gesundheitsbericht.

Die Verwendung einer App kann das Therapiemanagement der Patienten fördern und damit die Compliance dieser verbessern. Auch Ergebnisse von Metaanalysen zeigen, dass die Nutzung von Diabetes-Apps durchaus auch positive Effekte auf klinische Parameter wie den HbA1c-Wert haben können.

Doch der Markt ist intransparent, denn angesichts der über 200.000 Apps zu den Themen Gesundheit, Fitness und Medizin kann man schnell den Überblick darüber verlieren, welche App medizinischen Anforderungen entspricht oder für die individuellen Bedürfnisse des Patienten sinnvoll ist. Zudem gibt es nur wenige Bewertungsinstanzen, die den medizinischen Mehrwert der Apps begutachten. [3,4]. So fällt es uns Diabetologen oder den Diabetesfachkräften schwer, Patienten ein adäquates Feedback zu aktuell genutzten Apps zu geben. Das ist sehr bedauerlich, da vor allem die erhobenen Daten von Behandlern und Patienten für die Therapieoptimierung genutzt werden und so zum Patienten-Empowerment beitragen könnte – in meinen Augen ein zentrales Ziel in der Diabetestherapie.

In der vorliegenden Studie von Ohde et al.: „Die ‚MyTherapy-App‘ stärkt Adhärenz und Arzt-Patienten-Bindung bei Diabetespatienten Diabetes“ wurde die MyTherapy-App bei Arzt und Patient unter Praxisbedingungen untersucht. Dabei wurde insbesondere auf das Nutzungsverhalten, Adhärenz und die Auswirkung auf die Arzt- Patienten-Beziehung fokussiert. Ermöglicht wurde diese Studie durch die Unterstützung der BERLIN-CHEMIE AG.

In der multizentrischen, prospektiven Studie wurden bundesweit in Zusammenarbeit mit 40 niedergelassenen Diabetologen und Allgemeinmedizinern 200 Patienten mit Diabetes Typ 2 aufgenommen. Die Studienteilnehmer sollten mindestens drei Medikamente in Dauertherapie einnehmen und bisher die MyTherapy App nicht verwendet haben. Zu Beginn der Studie erfolgte eine Aufnahmedokumentation, bei der u. a. demographischen Daten, Begleiterkrankungen, aber auch eine persönliche Einschätzung zur Therapietreue des Patienten erfasst wurde. Zusätzlich wurde den Patienten die Bedienung der App erklärt. Nach dem dreimonatigen Nutzungszeitraum erfolgte die Abschlussdokumentation.

Die Ergebnisse zeigten, dass knapp 90 % der Studienteilnehmer die App genutzt haben. Die Mehrheit der Studienteilnehmer – vor allem die mit niedriger Adhärenz – fühlten sich gut bis sehr gut von der App bei der Medikamenteneinnahme unterstützt. Ärzte sahen zusätzlich einen positiven Effekt auf die Arztpatientenkommunikation.

Die Studienergebnisse bestätigen meine Erfahrungswerte. Gesundheits-Apps haben ein großes Potential in der Diabetologie, die Mitarbeit des Patienten zu fördern und die Kommunikation zwischen Arzt und Patient zu verbessern.

In der Studie profitierten vor allem Patienten, die sich zu Studienbeginn als „nicht-adhärent“ eingestuft haben. Es lohnt sich also, die Chancen, die digitale Entwicklungen bieten, zu nutzen und Apps aktiv in die Beratung mit einzubauen. Dass die Verwendung von Apps längst keine Generationenfrage mehr ist, lässt sich allein schon daran ablesen, dass ein Großteil der Studienteilnehmer über 50 Jahre alt waren – 20 % sogar über 65.

Erfreulich ist auch die hohe Nutzungsrate bei der Verwendung der App durch die Patienten Hierbei muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Nutzung unter Studienbedingungen erfolgte. So wurden die Teilnehmer z.B. umfangreich in die Funktionen der App eingewiesen, was sich unter realen Bedingungen so vielleicht nicht immer realisieren lässt. Die Ergebnisse der Studie bestätigen mich darin, Apps noch stärker in der Diabetesversorgung einzusetzen.

Auch wenn die Studie den Einfluss auf den Endpunkt HbA1c nicht untersuchte, liefert sie doch einen wichtigen Beitrag zu der Frage, welchen Beitrag Apps für die Verbesserung des Therapiemanagement von Diabetespatienten leisten können.

Hier haben Sie die Möglichkeit die Vollpublikation von Ohde et al. zu MyTherapy als PDF-Datei runterzuladen.

Dr. Winfried Keuthage, Münster


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