Digitalisierung bietet Chancen für Prävention des Typ-2-Diabetes

Aktuellen Schätzungen zufolge wird es im Jahr 2040 in Deutschland 12 Mio. Menschen mit Typ-2-Diabetes geben1. In welchem Maße sich diese Entwicklung aufhalten lässt, hängt vor allem vom flächendeckenden Einsatz geeigneter Präventionsmaßnahmen ab. Denn angesichts der steigenden Zahlen von Patienten mit Typ-2-Diabetes rückt die Diabetes-Vorsorge künftig immer mehr in den Fokus. Potenziale, die sich durch die Digitalisierung bieten, müssen genutzt werden. Schon jetzt zeichnen Apps Vitalparameter der Nutzer auf, motivieren zur sportlichen Betätigung oder unterstützen den Patienten bei einer Änderung des Lebensstils.

Doch auch für andere Maßnahmen zur Prävention des Typ-2-Diabetes bieten sich digitale Tools an – z. B. beim Risikoscreening: „Digitale Lösungen sind hierbei unter Umständen effektiver und vor allem effizienter als traditionelle ‚analoge‘ Vorgehensweisen“, betonen Prof. Dr. Bernhard Kulzer und Dr. Jens Kröger. Im aktuellen D.U.T-Report haben sich beide zd-Experten mit den Möglichkeiten der digitalen Prävention des Typ-2-Diabetes auseinandergesetzt und sind dabei auf eine ganze Reihe von möglichen Anwendungen gestoßen2.

So könnten „im Sinne einer ‚personalisierten Typ-2-Diabetes-Prävention‘ zukünftig mittels Algorithmen große Datensätze (Big Data) analysiert werden, um personalisierte Therapieansätze zu entdecken.“ Auch die rund 2 Mio. hidden patients, d. h. Menschen, die bislang nichts von ihrer Erkrankung wissen, könnten durch digitale Tools frühzeitiger entdeckt werden, so die Autoren. Beide verweisen darauf, dass andere Länder auf dem Gebiet der digitalen Diabetes-Prävention schon einen Schritt weiter sind. So werde in England bereits untersucht, „inwieweit mit digitalen Möglichkeiten die Schwelle zur Teilnahme an Präventionsmaßnahmen gesenkt und die Motivation zur Lebensstilmodifikation gesteigert werden kann.“ Die meiste Evidenz böten derzeit Programme zur Lebensstilintervention. Hier gäbe es mittlerweile „viele digitale Interventionen, die sowohl auf die Phase der Verhaltensänderung (‚Verhaltensmodifikation‘) als auch auf die daran anschließende Phase der Stabilisierung der Lebensstiländerung (‚Maintenance‘) abzielen“, betonen die Autoren. Doch die Digitalisierung bietet im Bereich der Prävention noch weitere Möglichkeiten, denn an der Prävention des Typ-2-Diabetes sind viele unterschiedliche Gruppen beteiligt, d. h. nicht nur Ärzte, sondern z. B. auch Ernährungsfachleute, Sportfachleute oder Psychologen. Auch hier können „digitalisierte Formen des Informationsaustauschs sowie der Dokumentation (z. B. elektronische Präventionsakte) sinnvoll sein“, sagen Kulzer und Kröger. Einen hohen Stellenwert sollte zudem die Verhältnisprävention einnehmen. Hier könne man mittels der Analyse großer Datenmengen Zusammenhänge in Bezug auf förderliche oder hindernde Faktoren für die Entwicklung eines Ty-2-Diabetes identifizieren.

Das Zeitalter der digitalen Diabetesprävention ist längst eingeläutet. Damit es auch hier in Deutschland Fahrt aufnimmt, hat die BERLIN-CHEMIE AG gemeinsam mit den Mitgliedern des zd den „bytes4diabetes-Award“ ins Leben gerufen. Mit diesem Preis sollen Lösungen gefördert werden, die die Versorgung von Menschen mit Diabetes verbessern können. Die Diabetes-Typ-2-Prävention ist eines der Felder, das sich besonders für digitale Lösungen anbietet. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und wird 2020 erstmals vergeben. Forscher und kreative Köpfe aus allen Bereichen des Gesundheitswesens erhalten die Möglichkeit, sich und ihre Projekte vorzustellen. Bewerben können sich Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen – beispielsweise Universitäten, Forschungseinrichtungen, Verbände, Krankenhäuser, Unternehmen oder Start-ups. Einsendeschluss für den bytes4diabetes-Award 2020 ist der 31. Juli 2019. Bewerbungsunterlagen und weitere Informationen finden Sie unter: www.bytes4diabetes.de.

1Tönnies, T., Röckl, S., Hoyer, A., Heidemann, C., Baumert, J., Du, Y., Scheidt-Nave, C. and Brinks, R. (2019), Projected number of people with diagnosed Type 2 diabetes in Germany in 2040. Diabet. Med.

2Kulzer B. und Kröger J.: Digitale Prävention des Typ-2-Diabetes, in: Kulzer B., Heinemann L. (Hrsg.). D.U.T – Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes 2019, 1. Auflage 2019. Verlag Kirchheim, Mainz 2019. S.102-111.

Mehr zum D.U.T.

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