Gesund durch Big Data? Digitale Diabetesprävention

Berlin, 22.07.2020


Gesund durch Big Data? Digitale Diabetesprävention

KI kann dabei helfen, Krankheiten zu erkennen, sie kann in Windeseile große Mengen von Bild- und Labordaten auswerten und Zusammenhänge zwischen Datensätzen herstellen. So bietet sie nicht nur die Chance für individuelle Therapien. Auch in der Prävention von Typ-2-Diabetes sind digitale Strategien erfolgversprechend.

Weltweit steigen die Zahlen an Menschen mit Diabeteserkrankungen und mit Prädiabetes. Dazu gibt es eine große Dunkelziffer an Menschen, deren Diabeteserkrankung nicht diagnostiziert ist. Im Kampf gegen die Volkskrankheit kommt vor allem der Prävention von Diabetes Typ 2 eine große Bedeutung zu.
Dank Digitalisierung lassen sich zum einen Subtypen erkennen geeignete personalisierte Therapiemaßnahmen anbieten, zum anderen Risikofaktoren für eine mögliche Erkrankung identifizierten und daraus individuelle Präventionsmaßnahmen ableiten.

Grundlage für entsprechende Strategien sind die riesigen Datenmengen, die bei Untersuchungsmethoden und Tools zum Diabetesmanagement anfallen, ganz vorne: innovative Technologien wie CGM-Systeme, Smart-Pens, Wearables und Gesundheits-Apps. Diese Datenmengen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI), Algorithmen und selbstlernenden Maschinen sachgerecht zu erfassen, zu analysieren, zu interpretieren und daraus geeignete Schlussfolgerungen zu ziehen, wird immer wichtiger, um das Leben von Menschen mit Diabetes positiv zu beeinflussen und auch Diabetes gar nicht erst entstehen zu lassen. Eine Einrichtung, die sich dieser Sache annehmen will, ist das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD). Mit dem Aufbau eines digitalen Diabetes-Präventionszentrums (Digital Diabetes Prevention Center, DDPC) wollen die Forscher anhand von Daten von Millionen Menschen – sowohl Erkrankten als auch Gesunden – in Ergänzung zu kontrollierten Studien im Sinne der „Precision Medicine“ nach Zusammenhängen suchen, die personalisierte und individualisierte Therapieansätze ermöglichen können.

Lebensstilveränderung bei Typ-2-Diabetes: effizient und nachhaltig
Zur Prävention von Typ-2-Diabetes haben sich vor allem Lebensstilveränderungen als wirksam und nachhaltig erwiesen. Gerade hier sehen Experten großes Potenzial in digitalen Anwendungen, die zum einen ein mögliches Risiko rechtzeitig erkennen, zum anderen Risikopatienten bei der Verhaltensänderung unterstützen. Zu selten jedoch kommen solche Tools bislang zum Einsatz, wie Professor Dr. Bernhard Kulzer, Diabetes-Zentrum Bad Mergentheim, und Dr. Jens Kröger, Ärztlicher Leiter Zentrum für Diabetologie Hamburg Bergedorf, in ihrem Artikel im diesjährigen D.U.T-Report bedauern.

Sie erwarten für den Zeitraum von 2015 bis 2040 mit einer relativen Zunahme der Typ-2-Diabetes-Fälle um bis zu 77 %, eine Wachstumsrate, die sich durch entsprechende Präventionsmaßnahmen verhindern ließe. Ihre Beispielrechnung: Wenn 50 % der Personen mit einem Prädiabetes erfolgreich und dauerhaft an Maßnahmen zur besseren Ernährung und Gewichtsreduktion teilnähmen, ließen sich allein bis 2030 etwa 400.000 Diabetesfälle verhindern. Bei einer Beteiligung von 90 % sogar eine Millionen Fälle.

Beispiele für digitale Präventionsstrategien
Möglichkeiten, rechtzeitig gegenzusteuern, sehen die Autoren bei Ärzten und Patienten gleichermaßen. Einige Bespiele:

  • Integration digitaler Risikorechner in die elektronische Gesundheitskarte (ePA)
  • Integration von Präventionsempfehlungen in Expertensysteme sowie Screening von Risikopersonen
  • Digitale Identifikation von Risikopersonen
  • digitale Interventionen zur Lebensstiländerung
  • digitale Tools zur Verhältnisprävention

Quellen und weiterführende Informationen


Weitere Informationen zum Thema Digitale Prävention finden Sie im D.U.T-Report 2020 im Artikel „Digitale Prävention des Typ-2-Diabetes“ von Professor Dr. Bernhard Kulzer und Dr. Jens Kröger sowie im aktuellen DIGITAL.corner „Digitale Tools für Prävention und Früherkennung des Typ-2-Diabetes einsetzen“ und hier: Nationale Diabetes-Strategie: Bundestag will mehr Prävention bei Adipositas und Diabetes mellitus.


Weitere News

Telematikinfrastruktur: Die verschiedenen E-Akten

18.03.2020

ePA, eGA, eAA, eFA – blicken Sie noch durch? Wir geben einen Überblick über die verschiedenen elektronischen Akten und erläutern, welche Konzepte dahinterstecken.

Mehr erfahren

„Mein Alltag als Looperin“

18.03.2020

„Heute passt sich der Diabetes meinem Leben an – nicht umgekehrt.“ Für Lisa Schütte ist klar: Die Digitalisierung hat ihren Alltag als Betroffene enorm erleichtert. In ihrem Film gewährt sie einen Einblick in ihr Leben mit Diabetes.

Mehr erfahren

Telemedizin: Ein Leitfaden für die diabetologische Praxis

18.03.2020

ePA, eGA, eAA, eFA – blicken Sie noch durch? Wir geben einen Überblick über die verschiedenen elektronischen Akten und erläutern, welche Konzepte dahinterstecken.

Mehr erfahren