Stimmungsbild zur Digitalisierung

Berlin, 18.02.2021


Trend oder Standard? D.U.T-Umfrage zeichnet Stimmungsbild zur Digitalisierung

Wie bewerten Diabetesteams und Betroffene die Digitalisierung in der Diabetologie? Aufschluss darüber geben seit drei Jahren die Ergebnisse von bundesweiten Umfragen für den Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes (D.U.T). Diese Umfragen bilden den Kern des D.U.T und zeigen die Akzeptanz von modernen Technologien ebenso auf, wie die damit verbundenen Erwartungen. Da die meisten Fragen der Umfrage zum dritten Mal in Folge gestellt wurden, sind Einstellungsänderungen zu neuen Technologien und der fortschreitenden Digitalisierung ebenso abzulesen wie die Quote der Anwendung in der täglichen Praxis.


Erstmalig wurde die wissenschaftlich geleitete Umfrage für den D.U.T 2019 unter Diabetologen*innen durchgeführt, um zu erfassen, inwieweit digitale Anwendungen in Deutschland bereits in der klinischen Praxis genutzt werden und wie Behandelnde gegenüber der Digitalisierung eingestellt sind. Für den D.U.T 2020 wurden zudem Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes sowie Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes nach ihrer Sicht auf neue Technologien und die mit digitalen Möglichkeiten verbundenen Hoffnungen gefragt. Für die nun erschienene dritte Ausgabe kam mit einer Umfrage unter Diabetesberatern*innen/-assistenten*innen eine weitere Zielgruppe hinzu. Durchgeführt wurden alle Befragungen vom Forschungsinstitut Diabetes-Akademie Bad Mergentheim (FIDAM) mit Unterstützung verschiedener Diabetesverbände1.


Erstmals auch Diabetesberater*innen im Blick


Für den D.U.T 2021 wurden neben der Einstellung von 337 Diabetologen*innen auch die von 574 Diabetesberater*innen und -assistenten*innen erfasst. Dabei zeigt sich: Die Digitalisierung hat immer mehr in den Alltag der Behandelnden Einzug gehalten – und das spiegelt sich in den Umfrageergebnissen wider, die im Rahmen des virtuellen DiaTec-Kongresses von den FIDAM-Experten Prof. Dr. Bernhard Kulzer, Prof. Dr. Norbert Hermanns und Dr. Dominic Ehrmann vorgestellt wurden.

Die Umfragen – Das Wichtigste in Kürze

Umfrage Diabetologen*innen

Die Zahl der Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes, die neue Technologien für ihr Diabetesmanagement nutzen, hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen. Bei CGM-Systemen ist ein Plus von 45 % zu verzeichnen, bei der Flash-Glukosemessung von 38 % und Insulinpumpen nutzen 23 % mehr Patienten*innen. Den größten Zuwachs gab es bei den Hybrid-Closed-Loop-Systemen mit 167 % und den selbst gebauten Closed-Loop-Systemen mit 100 %.

Betrachtet man die letzten zwei Jahre, hat sich die Zahl der neuen Technologien bei beiden Patienten*innengruppen insgesamt etwa verdoppelt. Damit hat die Digitalisierung auch immer mehr in den Alltag der Behandelnden Einzug gehalten – was die meisten der befragten 337 Diabetologen*innen positiv finden: Der Vergleich der bisher drei Befragungen zeigt, dass sich die positive Einstellung zur Digitalisierung im letzten Jahr noch verstärkt hat (D.U.T 2019: 63,7 % positiv/sehr positiv, 2020: 75,8 % positiv/sehr positiv, 2021: 81,9 % positiv/sehr positiv) und mittlerweile bei den meisten Befragten eine sehr positive Grundstimmung vorherrscht. Auch sind die meisten Befragten der Meinung, dass die neuen Technologien nicht nur die Behandlung verbessern, sondern auch den Praxisalltag erleichtern. Jedoch sind viele der befragten Diabetologen*innen (81,4 %) der Meinung, dass sich der erforderliche Schulungsaufwand etwa bei der Verwendung von AID-Systemen erhöhen wird.

Umfrage Diabetesberater*innen/-assistenten*innen

Erstmals wurden 574 Diabetesberater*innen und -assistenten*innen zu ihren Einstellungen befragt: 4 von 5 haben grundsätzlich eine positive Einstellung zur Digitalisierung in der Diabetologie. Die Bedeutung der Digitalisierung und neuer Technologien zeigt sich auch durch die Tatsache, dass die meisten Befragten (73,5 %) davon überzeugt sind, dass sich das eigene Berufsbild durch diese Entwicklung positiv verändert. So berichten 61,0 % von einer verbesserten Qualität der eigenen Arbeit durch digitale Anwendungen und neue Technologien.

Ihren Berufsstand sehen sie durch neue Technologien nicht bedroht, denn ihr Beratungs- und Schulungsleistung wird immer gebraucht werden, auch oder gerade bei Closed-Loop-Systemen.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Beide Berufsgruppen haben eine sehr positive Einstellung zur Digitalisierung, je nach Thema ist diese bei Diabetesberater*innen und -assistenten*innen noch weiter ausgeprägt. Beispiel Videoschulung: Diabetesberater*innen und -assistenten*innen schätzen die aktuelle Bedeutung von Videosprechstunden mit 39,7 % höher ein als die Ärzte (21,1 %). Dasselbe Bild zeigt sich bei der Bedeutung der Videoschulung (32,3 % vs. 17,4 %) und Diabetes-Apps (47,7 % vs. 30,6 %).

Unterschiede gibt es darüber hinaus im täglichen Umgang mit digitalen Anwendungen und neuen Technologien: Gehen unter den Ärzten*innen 77,2 % täglich damit um, sind es bei den Beratern*innen 54,5 %. Auch bei der Selbst- und Fremdeinschätzung bezüglich Engagement, Interesse und Kompetenz in puncto Digitalisierung gibt es Diskrepanzen: Ärzte*innen schätzen sowohl sich selbst als auch die Diabetesberater*innen und -assistenten*innen als sehr interessiert, engagiert und kompetent ein. Umgekehrt hingegen beurteilen die Berater*innen und Assistenten*innen die Ärzte*innen diesbezüglich ein wenig kritischer.

Weiterführende Informationen

Videos der Präsentationen der Umfrageergebnisse durch die zd-Experten finden Sie unter
www.zukunftsboard-digitalisierung.de/dut-report

  • Ergebnisse der Befragung unter Ärzten*innen: Prof. Dr. Bernhard Kulzer
  • Ergebnisse der Befragung unter Diabetesberatern*innen/-assistenten*innen: Prof. Dr. Norbert Hermanns
  • Vergleich der beiden befragten Gruppen: PD Dr. Dominic Ehrmann

Die kompletten Umfrageergebnisse finden Sie im D.U.T 2021.

1 Bundesverband Niedergelassener Diabetologen e.V. (BVND), Bundesverband Klinischer Diabetes-Einrichtungen e.V. (BVKD), Berufsverband Deutscher Diabetologen e.V. (BDD), Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD), Verband der niedergelassenen Diabetologen Niedersachsens e.V. (VNDN), Wissenschaftliches Institut der niedergelassenen Diabetologen (winDiab)


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