Telematikinfrastruktur: Die verschiedenen E-Akten

Berlin 18.03.2020


ePA, eGA, eAA, eFA … Was der Gesundheit dienen soll, bereitet vielen Ärzten einfach nur Kopfschmerzen. Seit 16 Jahren soll sie schon kommen, die elektronische Patientenakte ePA, im Jahr 2021 wird es so weit sein. Für Menschen mit Diabetes wird es durch die ePA z.B. komfortabler, ihre Werte im Blick zu behalten. Mit der ePA assoziiert sind verschiedene weitere E-Akten, hinter denen unterschiedliche Konzepte stehen. Wir führen Sie durch den Dschungel der elektronischen Akten.


ePA – die elektronische Patientenakte

  • Sie soll DAS zentrale Element der vernetzten Gesundheitsversorgung und der Telematikinfrastruktur werden, d. h. die einzig gesetzlich vorgegebene Form der Dokumentation von Patientendaten.
  • Die gesetzliche Grundlage ist § 291a SGB V, die Rahmenbedingungen der ePA werden durch die gematik definiert.
  • Ziel: eine bundesweit einheitliche und interoperable Lösung, die die Insellösungen der bestehenden Gesundheitsakten ersetzt.
  • Voraussetzung: bundesweit einheitliche Schnittstellen (z. B. zu den unterschiedlichen Praxisverwaltungssystemen, PVS), die von der gematik spezifiziert werden.
  • Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) soll die medizinischen Daten (z. B. Labordaten, Befunde oder Impfpass) unter der Bezeichnung „Medizinische Informationsobjekte“ (MIOs) für die ePA standardisieren.
  • Die ePA ist eine freiwillige Anwendung: Der Patient entscheidet, ob eine elektronische Patientenakte angelegt werden soll.

eGA – die elektronische Gesundheitsakte

  • Es existieren bereits verschiedene „elektronische Gesundheitsakten“, um relevante Gesundheitsdaten zu speichern oder an Ärzte zu schicken.
  • Beispiele für eGAs sind etwa „TK-Safe“ der Techniker Krankenkasse oder die App „Vivy“, entwickelt von Vivy zusammen mit der DAK-Gesundheit, Betriebs-, Ersatz- und Innungskrankenkassen sowie privaten Krankenversicherungen.
  • Die Daten werden nicht auf zentralen Servern gespeichert.
  • Unklar ist, ob die eGA nach Einführung der ePA erhalten bleiben und ob die darauf gespeicherten Daten in die ePA zu überführen sind.

eAA – die elektronische Arztakte

  • Patienten haben künftig das Recht, diese Daten als Kopie in elektronischer Form zu bekommen – über eine App oder per Schnittstelle in eine ePA.
  • Erhobene Befunde werden in den Praxisverwaltungssystemen (PVS) der Ärzte archiviert, welche jedoch zurzeit untereinander nur eingeschränkt austauschfähig sind.
  • Künftig sollten die Daten elektronisch strukturiert und indexfähig suchbar abgelegt werden, sodass sie problemlos z. B. in die ePA oder in andere PVS exportiert werden können.
  • Voraussetzung dafür war die Verpflichtung zur „Integration offener Schnittstellen in informationstechnische Systeme“, welche zum 1. Juli 2017 in Kraft trat und in § 291 SGB V festgelegt wurde.
  • Diese Vorgabe musste bis Mitte 2019 umgesetzt werden, sodass die Inhalte der eAA prinzipiell auch für andere Zwecke wie die ePA verfügbar sind.

eFA – die elektronische Fallakte

  • Wird – anders als die eAA – von den behandelnden Ärzten über Einrichtungs- und Sektorengrenzen hinweg geführt, zielt jedoch auf die konkrete Behandlung eines bestimmten medizinischen Krankheitsfalls eines Patienten ab.
  • Für eine eFA benötigt der Arzt die schriftliche Zustimmung des Patienten.
  • Die Daten werden nur für die Krankheitsdauer zeitlich begrenzt gespeichert und können nur von den behandelnden Ärzten über die eFA-Plattform eingesehen werden.
  • Nach Abschluss der Behandlung wird die eFA wieder geschlossen

Darüber hinaus plant die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) die Entwicklung einer „eDiabetes-Akte DDG“. Sie soll die wesentlichen Daten zum Diabetes einrichtungsübergreifend zusammenfassen und der Qualitätssicherung dienen.


Unterschiedliche Konzepte elektronischer Akten
Quelle: Kulzer, B. Et. al. D.U.T.-Report 2020


Detaillierte Informationen über die verschiedenen E-Akten finden Sie im Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes (D.U.T) 2020 im Artikel „Elektronische Patientenakte“ von Prof. Dr. Bernhard Kulzer, Bad Mergentheim. Ebenfalls darin: eine Chronik der Entwicklung der ePA, ein Ländervergleich mit Dänemark sowie rechtliche Aspekte, die es zu beachten gilt. Den D.U.T-Report 2020 zum Download finden Sie hier.


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